CIm Fernsehtalk “Hart aber Fair” mit Frank Plasberg im ZDF am 10.02.2014 erteilte der Schweizer Roger Köppel von der Weltwoche dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD Ralf Stegner eine Lektion in Sachen Demokratie. Hier das kleine Video dazu:


In “Die demokratische Anarchie” schreibt Walter Leisner: “Der Gleichheitsstaat ist die perfekteste, aber auch die am meisten lastende Form kombinierten staatlich-gesellschaftlichen Herrschens, echter Gewaltausübung. Wenn Anarchie überall dort nur wirklich ist, wo die große Flucht einsetzt aus der Gewalt, so wird sie am stärksten sein, wo die größte Gewalt ist – in und aus der Gleichheit.”

Im Artikel 20 GG findet sich der Satz: “Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.” Da gibt es also “den Staat” der Gewalt ausüben darf, und da gibt es das sog. Volk, das diesen Staat durch Wahlen und Abstimmungen hierzu ermächtigt. Und ich, der Einzelne, wo bin ich in diesem Konstrukt? Ich darf alle paar Jahre wählen gehen, falls ich das überhaupt will, und ich darf mich um ein staatliches Amt bemühen, in dem ich staatliche Gewalt repräsentieren kann, falls ich das überhaupt will. Und wenn ich aus welchen Gründen auch immer weder wählen will noch ein staatliches Amt ausüben, dann bleibt nur ein der Willkür staatlicher Gewalt unterworfener Mensch. Der bleibt allerdings auch dann, wenn ich wählen gehe oder mich im Besitz eines staatlichen Amtes befinde. Ob es sich bei diesem Staat um eine Autokratie, Plutokratie, Oligrachie, Aristokratie, Theokratie, Demokratie, Laokratie (Volksherrschaft) oder eine andere Kratie-Form handelt, macht dabei für den Einzelnen zumindest keinen grundsätzlichen Unterschied. Es gibt relativ freundliche Monokraten und es gibt Demokratien, in denen der Einzelne völlig unterdrückt wird.

FLiberté, Égalité, Fraternité – die Ideale der französischen Revolution – haben zu keinem Zeitpunkt dazu geführt, dass die Menschen frei von Herrschaft und staatlicher Gewalt waren. Ideale stehen für das, was wir nicht sind, aber angeblich gerne wären. Ähnlich ist es mit den sog. Werten – den christlichen, den europäischen, den allgemeinen Menschenrechten, … In aller Regel führen derartige Vorgaben zu einer geradezu unerträglichen Heuchelei. Als Beispiel hierfür fällt mir gerade die in der mittelalterlichen Inquisition geübte Praxis ein, einen Ketzer auf den Scheiterhaufen zu bringen, um seine Seele zu retten.

Brauchen Eichhörnchen oder Birken Ideale und Werte? Also ich brauch sie jedenfalls nicht. Und ich brauche auch niemanden, der mir sagt, was ich zu tun und zu lassen habe und der mich mit Sanktionen belegt, wenn ich nicht folgsam bin. Folgsam ist ein hübsches Wort. “Der Junge kann einfach nicht folgen!” habe ich oft genug zu hören bekommen. Kann er schon, will er aber nicht.


Ist Anarchie ein Ideal oder ein Wert? Anarchie beschreibt einen Zustand, der sich zunächst einmal durch das Fehlen der Herrschaft des Menschen über seinesgleichen auszeichnet. Dies ließe sich erweitern auf den Verzicht auf jeden Versuch, sich die Erde untertan zu machen. Das bedeutet sich gegen die Anweisung des abrahamitischen Herrscher-Gottes zu stellen:Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.” (Genesis 1,28) Kein Wunder, dass all die zahlreichen Stellvertreter dieses Herrscher-Gottes auch mal herrschen wollten.

Indigenen Völkern ist das, was sich in China im Daoismus artikulierte, nicht fremd. Ein Leben mit seinen Mitmenschen und mit der Natur und nicht gegen sie und das tiefe Vertrauen in den Urgrund des Seins.

Quelle: Auch Demokratie ist eine Kratie | nit möööglich!

Ein Gedanke zu “Ich brauche auch niemanden, der mir sagt, was ich zu tun und zu lassen habe

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