Die Psychopathologie der Single-Gesellschaft

Eine Gesellschaft in der Partnerschaften nahezu unmöglich wurden ist eine zutiefst kranke, psychotische Gesellschaft. Du erkennst die seelische Gesundheit einer Zivilisation daran, wie fähig ihre Mitglieder zu dauerhaften, erfüllten Partnerschaften sind. Menschen, die aus Partnerschaften Konsumgüter und aus dem Partner ein Subjekt zur Wunschbefriedigung machen, sind seelisch krank. Sie leiden an einer künstlich geschaffenen Krankheit, deren Ursprung im Wunsch nach Kontrolle und Macht wurzelt. Diese Krankheit wird gefördert durch jene, die von Macht und Kontrolle profitieren, und sie wird übertragen und verbreitet von jenen, die sich zum alleinstehenden Individuum, zum sogenannten Singletum manipulieren lassen.

Die “Liebe dich zunächst selbst”-Gesellschaft hat zu nichts anderem geführt als zu unzähligen, einsamen Super-Egoisten, die so dumpf geworden sind, dass sie nichts anderes mehr können, als sich den lieben langen Tag selbst zu feiern. Partnerschaften halten sie für anstrengend, weil ohnehin kein Partner perfekt genug ist, um der eigenen (eingebildeten) Perfektion zu entsprechen.

Es ist nicht wahr, dass du zunächst dich selbst lieben musst, um andere lieben zu können, denn du liebst dich bereits selbst – das musst du nicht mehr fördern, da sich jeder Mensch von Geburt an selbst der Nächste ist.

Der “Liebe dich selbst”-Wahn ist ein künstliches Manipulationsmittel, um dich in eine unreflektierbare Scheinwelt von der eigenen Fehlerlosigkeit zu treiben. Es soll dir das Gefühl vermitteln, du wärst so unendlich kostbar, dass nur ein ebensolch perfekter und unendlich kostbarer Mensch an deiner Seite für dich akzeptabel erscheint. Du sollst dadurch jede geringere Form von Begegnung als überaus unzureichend und anstrengend empfinden, denn nur so ist es möglich, dich von deinen Mitmenschen zu isolieren, ohne dich erkennbar zu inhaftieren. Die daraus resultierende Isolation und Einsamkeit kann und wird dazu genutzt, dich als Konsument und Lohnsklave besser lenken und steuern zu können.

– Eine Partnerschaft ist nicht anstrengend – anstrengend ist der krankhafte Wunsch nach Perfektion innerhalb dieser Partnerschaft.

Sobald du den Wunsch nach Perfektion aufgibst, wirst du wieder fähig sein, erfüllte, dauerhafte und leichtgängige Partnerschaften zu leben. Erst dann, wenn du all die künstlich in dir gezüchteten Ideale vom Traumpartner, der Dualseele und der perfekten Begegnung aufgegeben hast, bist du wieder frei und offen für wahre, authentisch gelebte Partnerschaft.

Es sind deine viel zu hohen Ansprüche an einen Menschen, die es dir unmöglich machen, erfüllt und leicht mit diesem zu leben. Es sind ausschließlich diese Ansprüche. Und diese Ansprüche sind wider die Natur – sie wurden dir künstlich implantiert durch die Lüge vom perfekten Partner. Gib diesen Gedanken auf, denn ein perfekter Partner existiert nicht. Du wirst niemals einem perfekten Menschen begegnen – du wirst stets nur auf Wesen treffen, die ebenso ratlos und schutzbedürftig durch diese rätselhafte Welt streifen wie du es tust.

Daher ist es essenziell, jeden Anspruch auf Perfektion zwischen zwei Menschen ad acta zu legen, um wieder ein gesundes, sozial fruchtbar agierendes Individuum zu werden.

Der Mensch ist ein zutiefst soziales Wesen. Sein höchstes Potenzial kann er nur in liebevoll-fruchtbaren sozialen Bindungen entfalten – er verkümmert und stirbt letztlich bei lebendigem Leibe, wenn dieses Bedürfnis nach liebevoller Nähe nicht befriedigt wird. Daher ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen wirken als wären sie Zombies – emotional erkaltet und sozial im höchsten Maße inkompetent. Sie alle sind Opfer bösartigster Manipulation, die von jenen ausgeht, die wissen, dass unbefriedigte, vereinsamte Menschen bessere Konsumenten und kontrollierbarere Soldaten in einem unsichtbaren Krieg sind.

Diese Single-Gesellschaft, in der du lebst, ist dermaßen psychopathologisch, dass sie in die Geschichte als das dunkelste Zeitalter der Menschheit eingehen wird. Folgende Generationen werden die Single-Epoche in einem Atemzug mit dem düsteren Mittelalter nennen und sie wird als Mahnmal für die Wichtigkeit der Liebe stehen.

Auch ich selbst bin Opfer dieser Gesellschaft, aber mein Opfertum ist ein völlig anderes, denn ich bin ein Liebender geblieben, trotz der zahlreichen Verluste an wundervollen Seelen, die ich gerne ein Leben lang an meiner Seite gehabt hätte, aber die ich gehen lassen musste, weil ihre künstlichen Ansprüche auch an unsere Begegnung zu hoch waren, und ich weiß um den Preis, den ich bezahlen musste und bezahlen werde müssen, doch meine Sicht der Liebe wird niemals in die Knie gezwungen, weil ich einfach spüre, dass sie die bessere ist.

Daher sage ich:
Fuck off, Single-Gesellschaft!
Fuck you, Feudalherr und Dualseelen-Erfinder!
Mindfuck me harder – meine Liebe bleibt unmanipuliert!

Liebe schert sich nämlich einen Dreck um Perfektion und schon gar nicht um Wirtschaftswachstum, Macht oder Erfolg. Sie kümmert sich nicht um Nationalität oder ethnische Abstammung. Sie ignoriert Altersunterschiede und sogenannte Unmöglichkeiten. Liebe ist keine Disziplin, deren Ziel eine gewisse Form des Erfolges wäre.
Die Liebe ist an sich dann erfolgreich, wenn du die Hand deines Partners auch dann noch halten willst und kannst, wenn sie alle anderen bereits losgelassen hätten – sogar du selbst. Aber du bleibst, weil du spürst, dass die Liebe dich bindet und hält, weil du dich voll und ganz dem hingibst, was die Liebe dir flüstert. Sie flüstert: “Ich habe die hässlichen Aspekte unserer Begegnung gesehen, aber ich bleibe, weil ich nur so heilen kann, was meiner Heilung bedarf…”

Liebe bedeutet, dich täglich selbst zu überwinden und an deiner Partnerschaft zu arbeiten, ohne dich ständig zu fragen, ob der Partner ebenso hart arbeitet wie du – Liebe ist keine Win-Win-Situation, sie ist kein Tauschhandel und kein Geschäft, bei dem am Ende einer profitieren muss.

Liebe ist der einzige Weg, um das zu sein, was du wahrlich bist – ein wundervolles, zutiefst soziales Wesen.

Liebe äußert sich durch die Neugier darauf, was geschieht, wenn man nicht aufgibt.

Und daher sage ich zu meinem Partner:
“Ich will dich nicht perfekt – ich will dich lieben und liebend.

Ich will es nicht leicht mit dir haben – ich will es lebenslang mit dir haben.

Ich will nicht glücklich durch dich sein – ich will zufrieden mit UNS sein!”

Quelle: Die Psychopathologie der Single-Gesellschaft | ~ANDERSmensch~

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2 Gedanken zu “Die Psychopathologie der Single-Gesellschaft

  1. Maerz schreibt:

    Ich bin seit sieben jahre ohne Partner, habe mir nie ein Alleinsein gewünscht und bin mir fast sicher das es nur wenige sind die ihr Alleinsein geniesen wollen weil das ist für einen normalen Menschen einfach unmenschlich. Das ganze System in der Gesellschaft ist absichtlich so konzepier und organisiert das es einfach auch unmöglich macht, sich Paaren zu treffen.
    Dann … die Frauen haben Ihre Erwartungen vielleicht zu hochgeschraubt oder haben Angst wieder verletzt zu werden und alleinstehende Menner sehen in der Frau oft erst das Sexobjekt und dann vielleicht auch mal die Frau+Menschen in Ihr.

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