Jos Slabbert: Der friedliche Krieger 


Jost
Es gibt keine größere Illusion als die Angst,
keinen größeren Fehler, als sich auf die Selbstverteidigung vorzubereiten,
kein größeres Unglück, als einen Feind zu haben.

Wer durch jede Angst blicken kann,
wird immer sicher sein.

Der Weise ist ein Mensch des Friedens. Und doch birgt er in sich die wunderbaren Eigenschaften eines Kriegers.

Er verabscheut Waffen. Er hasst Kriegsführung. Der große Krieger ist für ihn jener, der Konflikt vermieden hat und nie hat Gewalt anwenden müssen. Als ein Krieger hat er die Kunst gelernt, seinen Gegner ohne Demütigung zu unterwerfen.

Er hat den Mut von jemandem, der sich überwunden hat. Er hält weder am Leben nicht fest, noch wird er durch seine eigenen Leidenschaften getrieben. Der Tod schüchtert ihn nicht ein. Er ist imstande, sich den unmöglichsten Hindernissen zu stellen und den schlimmsten Gegnern würdig und mutig zu begegnen.

Er ist kein Pazifist. Wenn er keine andere Möglichkeit sieht, wird er geschickt und leidenschaftslos kämpfen. Doch er wird sich nicht am Sieg erfreuen, denn er betrachtet Siegerparaden als blutrünstigen Jubel nichtwissender Metzger. Ebenso wenig fürchtet er die Niederlage: sie ist kein Stachel der Demütigung für jemanden, der nur ein sehr kleines Ego hat, das verletzt werden kann.

aus: Jos Slabbert, “Der moderne taoistische Weise”

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Der Weise ist kein Pazifist, sagt Jos. War Gandhi mit seinem gewaltlosen Widerstand ein Pazifist? Wenn ich unter Gewaltlosigkeit den Verzicht auf Waffen verstehe, dann ja. Wenn ich unter Pazifismus den Verzicht auf jeden Kampf verstehe, dann nein. Deshalb ist der taoistische Weise kein Pazifist, denn er wird gierige und gewalttätige Menschen nicht durch seine Untätigkeit dazu einladen, ihn zu vernichten. Es gibt kein größeres Unglück, als einen Feind zu haben, sagt Jos. Nun, wir scheinen im Moment einen Feind zu haben. Er dringt in die Länder Europas ein und tötet zuhauf irgendwelche zufällig anzutreffenden Menschen (sog. weiche Ziele).

Von Peter Ustinov stammt der Satz: Terrorismus ist der Krieg der Armen und Krieg ist der Terrorismus der Reichen. Wir müssen sehen, dass “wir”, der Westen, allen voran die USA, Feinde der Länder wurden, die jetzt unsere Feinde geworden sind. Unter dem heuchlerischen Vorwand, für die Einhaltung der Menschenrechte zu kämpfen, haben “wir” andere Länder mit Krieg überzogen und einen Völkerrechtsbruch nach dem anderen begangen. Jetzt kommt die Antwort dieser Länder auf uns zu und nun winseln wir herum und nennen unsere selbstgeschaffenen Feinde Terroristen und barbarische Massenmörder.

Ich denke wieder an meinen Kater Gregor, den mein damaliger Schwiegervater solange triezte, bis dieser ihm die Brille von der Nase schlug und eine blutige Spur in seinem Gesicht hinterließ. Damals war ich ganz auf der Seite meines Katers und dachte: Das hast du wirklich fein gemacht! Dieses Gefühl wollte sich bei mir, als ich am Freitag, den 13. November von dem Massaker in Paris erfuhr, nun wirklich nicht einstellen. Da war einfach nur Trauer. Ob Krieg der Reichen oder Terror der Armen – es trifft immer die Armen.

Jos sagt: “Wenn der taoistische Weise keine andere Möglichkeit sieht, wird er geschickt und leidenschaftslos kämpfen.” Er wird tun, was notwendigerweise getan werden muss und kein bisschen mehr. Und wenn Jos sagt: “Es gibt kein größeres Unglück, als einen Feind zu haben.” dann füge ich hinzu: “… und diesen Feind unabhängig vom möglichen Erfolg oder Misserfolg bekämpfen zu müssen.” Da gibt es keinen Grund für Rache, Kriegsgeschrei und Siegestaumel. Es gibt nicht einmal einen Grund, den Feind als Feind zu sehen. Auch er ist ein Mensch, auch er ist eine Manifestation des Tao.

y

Quelle: Jos Slabbert: Der friedliche Krieger | nit möööglich!

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