Wer direkt mit Menschen arbeitet, die den Mut und auch den Willen haben, Transformationsarbeit zu machen und die sich ihren Geschichten stellen möchten, der wird recht schnell mit einem Kommunikationsproblem konfrontiert. Das passiert natürlich vielen Leuten, in allen möglichen Branchen, wenn sich da zwei Leute treffen, wo der eine gründlich fundierte Kenntnisse besitzt und der Kommunikationspartner vielleicht nur einiges darüber gelesen hat, oder eher rudimentäre, vor allem mentale Vorstellungen davon besitzt, aber keine persönliche Erfahrung.

Wenimagen du beispielsweise einem Mensch, der ziemlich gestresst ist, der sich in viele Aktivitäten gestürzt hat und “viele Bälle in der Luft” hat und sich eigentlich erschöpft fühlt, wenn du diesem Menschen dann mit dem Konzept der unterschiedlichen, inneren Anteile kommst und erklärst, dass sein System überlastet ist, weil unterschiedliche Teile vielleicht unterschiedliche Absichten und Zielrichtungen haben, dann erntest du erst mal einen schockierten Blick.

Geduldig erklärst du,  dass das, was er als sein Ich kennt, aus einer komplexen Mischung verschiedener innerer Anteile besteht, die von sich selbst ebenfalls der Ansicht sind, SIE seien dieses Ich. Um ein fiktives Beispiel zu nennen: Ein Teil kümmert sich vielleicht ehrenamtlich um den Nachwuchs des örtlichen Fußballklubs, ein anderer ist in die tägliche Arbeit involviert, ein anderer Anteil kümmert sich um die familiären Belange, ein anderer Teil kümmert sich um die Sexualität  und wiederum ein anderer Teil liebt ein bestimmtes Hobby.

Dann gibt es Teile, die sich Sorgen um das liebe Geld machen, sich um die Figur sorgen, Teile, die sich Sorgen um die Beziehung machen, Teile, die traumatisiert sind und im Hintergrund diffuse Ängste produzieren, usw. Und sie alle denken von sich als ICH, weil es tatsächlich Persönlichkeitsanteile des Gesamtsystems “ICH” sind, welches aber als vom persönlichen Bewusstsein nur als dieses einzelne, singuläre Ich wahrgenommen wird.

Zwangsläufig, wenn zu viele “Bälle in der Luft” sind, werden manche mit mehr Aufmerksamkeit beschenkt, andere werden zu kurz kommen. Jeder dieser Anteile benötigt Energie aus dem Gesamtsystem und die ist nicht unendlich. Gibt es viele Sorgen und Ängste, verbraucht dies bereits sehr viel Energie.

Wenn jetzt der Anteil, der müde von der Arbeit nach Hause kommt und sich eigentlich nur ausruhen möchte, aber das Gesamtsystem von dem Fußballklub Anteil mit Koffein zugeschüttet wird, weil der örtliche Fußballklub wartet und die verlassen sich doch so auf ihn, während der andere Teil, der für die Beziehung zu seiner Frau und seiner Familie zuständig ist, ihm Vorhaltungen macht, weil er zu wenig Zeit mit ihnen verbringt und ihm schnell noch eine Viagra nach dem Kaffee hinterher schiebt, sich jetzt vielleicht noch sein Anteil einmischt, der sich ständig Sorgen ums Geld macht und ihm in den Ohren liegt, eigentlich könnte er ruhig noch etwas Arbeit zu Hause machen, um vielleicht nächsten Monat eine Gehaltserhöhung zu bekommen – dann braucht sich niemand wundern, wenn es kaum noch Zeit fürs Hobby gibt, die Beziehung mangelhaft ist und Sex zur Pflichtübung wurde. Und dass das ganze System irgendwann einfach erschöpft und müde geworden ist.

Diese Erklärung können die Leute noch einigermaßen abholen, indem sie sich sagen – “stimmt, ich mache wirklich viel zu viel. Ich weiß eigentlich nicht mehr, wo mir der Kopf steht.” Der Mensch kann die jeweiligen Absichten, Sorgen, Gefühle und emotionalen Zusammenhänge identifizieren, die in seinem Leben vorgehen. Was allerdings selten verstanden wird, ist der Umstand, dass da wirklich viele verschiedene Ichpersönlichkeiten sind, die ihre jeweiligen, unterschiedlichen Tätigkeiten ausführen und die denselben Körper miteinander teilen.

Inneres Kind

Und bei diesem Beispiel reden wir von Anteilen, die im großen und ganzen zusammenarbeiten, wenngleich einige Anteile übereifrig sind und im Wettbewerb mit anderen Anteilen stehen. Anders sieht die Sache aus, wenn wir über traumatisierte Anteile, abgesperrte, eingefrorene, verdrängte Anteile reden. Oder über innere Kinder.

Wenn du also jemandem mitzuteilen hast, der Grund, warum er seine Lebensfreude und Leichtigkeit verloren hat, hängt mit dem inneren Kind, oder mehreren inneren Kindern zusammen, dann blinken dich manchmal große, nicht verstehende und skeptische Augen an. Man kann richtig die Denkprozesse beobachten, die währenddessen ablaufen. Beispielsweise so: “Wieimagejetzt? Ernsthaft? Welches Kind? Ich bin doch erwachsen, sitzt etwa nicht ein Erwachsener vor deiner Nase? Selten so einen Blödsinn gehört.” Aber die Menschen hören trotzdem weiter zu, weil gleichzeitig spüren sie vielleicht einen kleinen, unangenehmen Druck im Bauch.

Was dir die Gelegenheit gibt, zu erklären, dass das sogenannte “innere Kind”, oder “innere Kinder”, mit Erlebnissen und Erfahrungen im persönlichen Leben verbunden sind, die wir im jeweiligen Lebensabschnitt, wo man ein Kind gewesen ist, erlebten.

Dieses innere Kind ist immer noch MIT uns, in den meisten Fällen haben wir aber leider keine bewusste Verbindung mehr damit. Das innere Kind ist der ursprüngliche, reine und unschuldige, wissende Teil in uns, der auch die Verbindung zu den höheren Wirklichkeiten hält.

Von dort kommen die Gefühle der Reinheit, der Liebe und ist unsere Quelle von Inspiration und Lebensfreude. In diesem inneren Kind sind aber auch alle traumatischen und schmerzhaften Erfahrungen gespeichert, die wir vielleicht als Kinder erlebten.

Und davon will man üblicherweise nichts wissen. In einer Welt voller Hektik, Herausforderungen und Schwierigkeiten des täglichen Überlebens, konnten die Eltern dem Kind meist nicht geben, was es brauchte. Seine Bedürfnisse wurden nicht bemerkt, ignoriert und vielleicht war man sogar ein ungewolltes Kind. Diverse Prägungen addieren sich und wir lernten uns zu verbiegen, damit man uns liebt. Wir kennen das – “Kind, tu das nicht, Kind, sei still, Kind, sei nicht so lästig, Kind, sei nicht so anhänglich”, usw. Das sind die normalen, üblichen Erfahrungen, die wir als Kinder erlebten. Und da reden wir nicht von schweren Traumata, sexuellem Missbrauch, Prügel – sondern von einer normalen Kindheit auf der Erde, wo niemand fühlte, wie du als dieses Kind gefühlt hast, während du es fühltest.

Also passten wir uns an, wurden nicht anhängliche Kinder, stille Kinder, Kinder, die nicht aneckten, brave Kinder, wir versuchten die Eltern so gut wie möglich zu kopieren und ihnen zu gefallen. All dass, aus einem tiefen Bedürfnis heraus, geliebt zu werden. Du bist umgeben von Menschen, die alle in einer nicht perfekten, erkalteten Welt leben und versuchen ihr Bestes daraus zu machen. Nach und nach, im Laufe der Zeit verblasst das ursprüngliche, reine, unschuldige Kind in uns und lernt, pragmatisch zu sein. Und irgendwann hat man die Verbindung damit ganz verloren oder mit Absicht abgetrennt. Verliert man die Verbindung mit dem Kind, tritt es in den Hintergrund und lebt im sogenannten Unterbewusstsein (der Raum in mir, worüber ich mir nicht bewusst bin), abgetrennt, abgespalten vom Alltags-Bewusstsein weiter.

Das Leben ging weiter und andere Teile entwickelten sich, um auf das Leben zu reagieren. Manche unserer Persönlichkeitsteile haben wir selbst entwickelt und “gebaut” und manche waren von Anfang an dabei. Manche Persönlichkeitsteile sind in unserem inneren System stärker entwickelt, manche schwächer und einige sind sehr unreif. Wir kreierten sie mit der Absicht, uns bei der Anpassung an körperliche, seelische, oder soziale Bedürfnisse und Herausforderungen zu unterstützen, denen wir auf der Erde eben ausgesetzt sind. Im Laufe unseres Lebens, der unterschiedlichen Wege und Rollen, die wir dabei zu spielen hatten, bekamen einige Teile mehr Aufmerksamkeit und mussten mehr tun, als vielleicht einige andere Teile und deswegen sind jene Teile natürlich entwickelter, reifer und haben mehr Raum in uns bekommen.

Dadurch haben sie sozusagen eine Hauptrolle bekommen und wirken dominanter in uns. Die einen mögen besonders “cool sein”, andere sind “professionell” orientiert und sehr nüchtern. Andere Teile sind vielleicht mit einem Helfersyndrom behaftet und überfürsorglich, wiederum andere sind eventuell “sexuell ausschweifend” und springen alles an, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist. Aber mit kindlichen, unschuldigen Regungen, mit denen will man als “Erwachsener” doch nichts zu tun haben. Wir sind doch taff, nicht wahr?

Wenn du also jemandem vom inneren Kind erzählst, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass während des Gespräches in der Person ein Teil hochkommt, der eine Wächterfunktion hat und dessen Aufgabe es ist, alles von der Person fernzuhalten, was mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden ist. So hilfreich solche Wächterentitäten sein können, um das Leben erträglicher zu machen und die Dinge zu verdrängen, so anstrengend und überhaupt nicht hilfreich sind sie, wenn es darum geht, den Dingen auf den Grund zu gehen und das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass da einige Dinge anzuschauen sind, grade deswegen, weil Schmerz darin enthalten ist.

Diese Wächterentität kann versuchen der Person Gedanken einzupflanzen, die eine Leugnung dieser gehörten Informationen erleichtern. Angefangen von “phantastischer Unsinn” bis “das glaube ich jetzt einfach nicht”. Dieser Wächter ist nicht etwa böse. Er/sie/es macht nur, wozu es da ist. Um Schmerz vom Gesamtsystem fernzuhalten und Überlebensfähig zu bleiben. Das Problem, oder besser gesagt, die Schwierigkeit für dich als Person, wenn du mit den diversen inneren Anteilen konfrontiert bist, liegt darin, dass du in diesem speziellen Moment nicht erkennen kannst, dass es eben kein sogenanntes ICH gibt, sondern immer nur ein Aspekt aus dir gerade jetzt kommuniziert. Du nimmst es natürlich als deine eigenen Gedanken und Gefühle wahr. Ich bin im Unglauben, Ich bin irritiert und imageskeptisch. Diese Form von Abwehrmechanismen sind eine Schutzfunktion.

Falls beim Leser nun Angst wegen Schizophrenie auftaucht, dem ist nicht so. Schizophrenie, heute dissoziative Identitätsstörung, bezeichnet ein psychisches Krankheitsbild, wo der Betreffende tatsächlich fremde Stimmen in sich hört, die ihm alles mögliche befehlen oder einreden. Da werden Gedanken NICHT als die eigenen wahrgenommen, sondern als fremd identifiziert. Eine dissoziative Identitätsstörung bedeutet eine komplette Desorganisation des Systems, einer Störung im komplexen System Mensch.

Wie Robert C. Schwarz, in seinem Buch “IFS – das System der inneren Familie” gut erklärt, sind wir es nicht gewohnt, in organisierten, zusammenhängenden Systemen zu denken, wenn es um unsere Identität geht. In einer Gesellschaft, die auf dem Kult des individuellen Ichs beruht, blieb die Vorstellung eines vernetzen Systems innerer Anteile allenfalls eine Randerscheinung des psycho-medizinischen Establishments und man bleibt lieber der Idee einer einheitlichen Psyche verhaftet. Interessanterweise haben jetzt auch Computerwissenschaftler und Neurobiologen die Vielfalt der menschlichen Innenarchitektur erkannt und eigene Modelle daraus entwickelt.

“Die Computerwissenschaftler fanden heraus, das parallel arbeitende Computer, die aus vielen kleinen Prozessoren bestehen, die unabhängig voneinander an einem Problem arbeiten, in ihrer Funktionsweise der menschlichen Psyche ähnlicher sind, als alte, seriell geschaltete Computer. Neurobiologen sprechen von “states of mind” oder “Modulen”, als abgegrenzte Cluster mentaler Prozesse, die zu zusammenhängenden Formen verknüpft sind, die Subpersönlichkeiten ähneln. Der Grundgedanke ist, dass das Gehirn um der Effektivität willen diese Cluster – Verbindungen zwischen bestimmten Gefühlen, Erinnerungen, Wahrnehmungen der Welt und Verhalten – bilden kann, so daß sie als innere Einheiten verbunden bleiben und bei Bedarf aktiviert werden können.” (Robert C. Schwarz – IFS, das System der inneren Familie; S. 74.)

Es gibt mittlerweile viele Leute, die dem Modell der systemisch organisierten Identität zu mehr Bekanntheit und Anerkennung verholfen haben. Allen voran möchte ich Daniel S. Barron nennen, dem ich einige Beiträge auf dem Blog widmete. Auchimage Artho Stefan Wittemann hat mit seinem Buch über “die Architektur der Innenwelt – warum wir erst anfangen uns selbst zu verstehen”, einiges dafür getan, das Verständnis zu erweitern.

Zurück zum fiktiven Gesprächspartner: Um zu demonstrieren, was mit inneren Personen gemeint ist, könnte vielleicht eine Aufstellung für die Person gemacht werden. Wenn da gute und erfahrene Leute vorhanden sind, welche die unterschiedlichen, inneren Personen anderer Menschen gut ausdrücken können, kann das ziemlich hilfreich sein, um Erkenntnis – und Bewusstseinsprozesse voranzubringen. Aufstellungen sind ein sehr wertvolles Werkzeug zur Erfassung von Zusammenhängen, die mit dem inneren System des Menschen zu tun haben. Sie offenbaren, welche Kräfte und Energien in unserem Leben, unseren Beziehungen, unserer Familie oder anderen Gruppen wirken.

Denn wenn fremde, dir nicht bekannte Menschen Situationen, Emotionen und Gefühle ausdrücken, die dir durchaus bekannt sind, aber die du vielleicht noch nie mit jemandem geteilt hast, dann hat die beste Wächterfunktion einen ziemlich schweren Stand, um dir eine Leugnung zu erleichtern. Denn du siehst, hörst und du fühlst da einige Dinge, die einfach nicht mehr zu leugnen sind.

So, da ist also nun eine Aufstellung zum inneren Kind. Die Person wird vielleicht ein Kind sehen, dass schmollend in der Ecke sitzt, möglicherweise ein Kind, das verstört am Boden liegt, eventuell hält es seine Augen geschlossen, oder du siehst ein Kind, das einfach nur weint. Sagt man nun der jeweiligen Person, sie soll mit diesem, ihrem Kind sprechen, dann sieht man sehr deutlich die Unsicherheit, die Berührungsangst und dass der letzte Kontakt zum inneren Kind schon länger zurück liegt. Die Mehrheit der Leute steht bei der ersten Begegnung mit ihrem inneren Kind völlig neben sich.

imageIch kann mich noch sehr gut an meine ersten Aufstellungen erinnern. Mir erging es nicht viel anders und ich habe zumindest viel darüber gelesen und hatte eine einigermaßen mentale Idee davon. Aber das hat mich nicht wirklich darauf vorbereitet, meine Unbeholfenheit, Zaghaftigkeit und mein nicht-in-Verbindung-sein mit dem Kind in mir, traten offen und deutlich zutage. Wahrscheinlich geht es vielen, vielleicht den meisten Menschen so, wenn sie dies erleben.

Das ist okay, man kann diese Dinge nicht an einem einzigen Tag verstehen. Das erfordert einen persönlichen Bewusstseinsprozess, der eine Zeit lang und in mehreren Stufen verläuft. Es braucht Zeit, sich auf dieses Modell einzulassen und es braucht Mut, die eigene Innenwelt kennenzulernen.

Die Vergangenheit ist die Gegenwart

Erlebnisse und Erfahrungen aus unserer Vergangenheit mögen vorbei sein, aber für unsere Teile, die wir verdrängten, oder abgespalten haben, die nicht wachsen und weiter lernen konnten, ist die Vergangenheit die jetzige Gegenwart  Sie kennen nichts anderes und sind in ihrer Entwicklung sozusagen in diesem Moment/Ereignis steckengeblieben. Andere Teile haben dann übernommen, um weitermachen zu können. Vielleicht gab es Demütigungen, oder wir haben Dinge getan, wofür wir uns schämten. Es kann Teile in uns geben, die sehr in Angst leben und die schon kleinste Herausforderungen überwältigen. Wir stecken diese Dinge recht schnell weg, weil sie unser Leben verkomplizieren und nicht wirklich hilfreich sind. Wir verstecken sie vor uns selbst und wer will schon ständig an Ereignisse aus Vergangenheit erinnert werden, wenn diese nicht besonders lustig waren?

Das Problem dabei ist, dass jeder Aspekt unseres Selbst eine ganz spezifische Energie hat, Talente und Potentiale. Unterdrücken und spalten wir diese Teile von uns ab, werden auch alle Energien und die Lebenskraft, die jener Anteil besitzt, mitabgespalten und werden uns künftig fehlen. Ebenfalls sind damit alle Erfahrungen, schmerzhafter wie freudvoller Art dieses Anteils vor uns verborgen. Verborgen bedeutet nicht weg, sondern nur unserem bewussten Verständnis verborgen. Diese Teile nehmen wir weiterhin wahr, als Emotionen, Gefühle und Reaktionen, die manchmal, wenn durch passende Stimuli von außen getriggert, IN uns auftreten und uns so überwältigen können, dass wir dann nur mehr diese Emotionen und Gefühle SIND.

Wenn beispielsweise Worte anderer Menschen uns wütend, traurig machen, beschämen oder Gefühle der Demütigung in uns auslösen, dann ist das NICHT jene Ichpersönlichkeit, die auf mehr oder weniger soliden, gesunden Beinen steht, sondern es hat einen Anteil in uns getriggert und stimuliert hervorzukommen, der diese Art von Verletzungen bereits erlebte und wir durchleben dies nun erneut und verstehen oft überhaupt nicht, was da grade passiert. Plötzlich fühlt man sich wie ein kleiner Junge, oder Mädchen, das grade an den Ohren gezogen wurde. Wir erleben dies als das aktuelle ICH und sind uns nicht gewahr, dass es ein anderer Teil von uns selbst ist.

Wenn du eventuell von deinem Chef kritisiert wirst und große Angst in dir auftaucht, du könntest deine Stelle verlieren, obwohl es dafür eigentlich überhaupt kein Grund gibt, dann irritiert das und du fragst dich dann wahrscheinlich – “was zum Teufel ist los mit mir?” Wenn also die Angst massiver erlebt wird, als es bezüglich der Situation angemessen wäre, dann hat dich das Verhalten des Chefs vermutlich an zurückliegende, angsteinflößende Erfahrungen aus deiner Vergangenheit, vielleicht der Kindheit erinnert. Dieses aktuelle Ereignis aktiviert dann jenen ängstlichen Teil in dir, der noch immer an jenes zurückliegende Ereignis und die erlebte Angst festgekettet ist. Mit all den Aufzeichnungen der gesamten, von dir erlebten emotionalen Stresssituation im jeweiligen Lebensalter, die dich damals überwältigt hat und die du nicht wirklich verarbeiten konntest. Jeder Mensch auf der Erde erlebt das, in verschiedenen Ausformungen.

Das große WIR

imageInnere Kinder, innere Jugendliche, oder innere Erwachsenen Anteile, Subpersonen, Wächterentitäten, innere Kritiker, Richter, Antreiber, etc. Wir alle sind  viel mehr, als wir im allgemeinen denken. Manche Persönlichkeitsanteile sind schon lange mit uns, haben mehrere Inkarnationen mit uns bewältigt. Andere Teile haben wir selbst entwickelt. Und im Zentrum sitzt unsere Kernpersönlichkeit, die mit Hilfe und Unterstützung der anderen Teile lernt, diese menschliche Erfahrung zu bewältigen.

Was wir als unser Ich kennen ist kein Ich, es ist vielmehr ein WIR. Die Vorstellung, dass dieses angenommene Ich vielmehr ein Konglomerat verschiedener Ich Identitäten und Persönlichkeiten sein könnte, um die menschliche Erfahrung zu potenzieren und die gemeinschaftlich an der menschlichen Erfahrung mitwirken, dies zerrt erst einmal an den Grundfesten des Gelernten und ist für viele ziemlich gewöhnungsbedürftig. Denkt man genauer darüber nach und hat man einmal einige “Tauchgänge” in die eigene Psyche hinter sich, dann macht dieses Bewusstseinsmodell weitaus mehr Sinn.

Bei den meisten Menschen kommen die verschiedenen Persönlichkeitsanteile durch, ohne eine Ahnung zu haben, dass da mehrere Teilnehmer sind. Die Übergänge können fließend, oder manchmal auch abrupt sein. Aber es wird immer aus der Position des Ich wahrgenommen. Unsere Kernpersönlichkeit selbst, die hält sich oft im Hintergrund und ich denke, dies ist, was die Buddhisten “den Beobachter”, “den Zeugen” nennen. Es ist an der Zeit, dass dieser “Beobachter” jetzt mehr und mehr hervortritt und aktiv am Leben teilnimmt.

entwicklung1Ich meine, der nächste Schritt der menschlichen Evolution ist es, zu erkennen, dass wir nicht dieses singuläre, einzelne und unteilbare In-di-viduum sind. Sondern dass wir aus einer Wahrnehmung von größerer Singularität heraus, das DaSein erleben. Wir sind nicht nur eine Multidimensionale Wesenheit, sondern auch eine enorm facettenreiche, flexible, anpassungsfähige Multilevel Persönlichkeit, die ihr großes WIR aus der Perspektive eines Individuums und das Leben durch diesen Kontext lebt.

Es geht nun darum, die Führung über diese verschiedenen Selbst zu übernehmen, sie bewusst einzusetzen und ein Bewusstes Selbst zu entwickeln. Ein Selbst, das sich klar darüber ist, dass mehrere Anteile anwesend sind und welches in der Lage ist auf sie einzuwirken. Dies kann gelernt und entwickelt werden. Das bedeutet, diese Kernpersönlichkeit in uns zu entdecken, ihrer bewusst werden und ihr mehr und mehr Raum geben, um dieses bewusste, größere ICH zu schaffen, zu erarbeiten und ins Leben zu bringen. Der stetige, sich immer fortsetzende Bewusstseinsprozess geht dahin, sich allen Anteilen zu widmen und sich nicht nur auf wenige angenehme einzulassen. Das schafft nur weitere Verdrängung und Verleugnung.

Einer der wichtigsten Aufgaben der Transformationsarbeit liegt in der Auseinandersetzung mit dem inneren Kind. Innere Kind Arbeit ist essentiell für mehr Wachstum, mehr Lebensfreude und Leichtigkeit im Leben.

Alles was existiert wurde kreiert, wurde geboren und ist durch Bewusstseinsprozesse sich selbst bewusst geworden. Das betrifft nicht nur den Menschen, sondern alles, inklusive den/die/das Schöpfer unseres Universums. So wie Schöpfer keine singuläre Ich Persönlichkeit, sondern ein vielschichtiger Schwingungskomplex aus Energien und Bewusstsein ist, mit vielfältigen Erfahrungsebenen und Absichten, mit Verbindungen zu anderen Schöpfungsebenen, bis zurück zur “Quelle” des Multiversums an sich – so sind auch wir es. Der/die/das Schöpfer ist ebenfalls Teil einer größeren Ganzheit, wie auch unsere Kernpersönlichkeit, welche diese Inkarnation erfährt, Teil einer größeren, umfassenderen Persönlichkeit ist.

Until next time same station

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Quelle: Das WIR Modell | THE INFORMATION SPACE

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