Die Liebe als Faktor wahrer Menschwerdung

Gibt’s irgendwo in der Welt etwas umsonst? „Nur den Tod.“, sagt der Volksmund. Aber hier irrt der Mund des Volkes, der ansonsten oft trefflich die Wahrheit spricht. Liebe haben wir umsonst empfangen (der Eine mehr, der Andere weniger). Liebe schenken wir umsonst (der Eine mehr, der Andere weniger).

Doch vieles, was man hier „Liebe“ nennt oder dafür hält, ist nicht wirklich Liebe. Wenn wir zum Beispiel unsere „Liebe“ mit Bedingungen verknüpfen, dann ist es keine Liebe – denn wahre Liebe ist bedingungslos. Gerade in dieser immer materialistischer werdenden Gesellschaft, in der man für alles, was man tut oder gibt, eine Gegenleistung verlangt, gerät die wahre Liebe immer mehr in Vergessenheit. Das ist die eigentliche Ursache zunehmender Entfremdung, Depression, und Angst – und in Wirklichkeit der wahre Grund für alles Elend dieser Welt.

Zu Lieben verändert die Wahrnehmung völlig. Das gesamte Erleben wird ein anderes: Alles Disharmonische im Leben schwindet; man nimmt die Welt völlig anders wahr; und die Welt nimmt einen selber völlig anders wahr, denn man leuchtet durch der Liebe Kraft. Also wundert Euch nicht, wenn ihr plötzlich nur noch liebevolle Menschen trefft, denn (und hier trifft der Volksmund den sprichwörtlichen Nagel: „Wie es hineinschallt – so schallt es hinaus.“) was wir an Schwingungen ausstrahlen, das kehrt zu uns zurück.

Zu Lieben und Geliebtwerden erfüllt das Leben mit Sinn. Ohne Liebe geht der Mensch ein, wie ein Pflänzchen ohne Wasser und Sonne. Der Vergleich ist nicht übertrieben, sondern sogar sehr treffend, denn tatsächlich ist die Energie der Liebe ein Licht, das es im Leben eines Menschen – je mehr er liebt und geliebt wird – umso heller macht. Kinder, die im Dunkel der Lieblosigkeit aufwachsen müssen, haben ihr Leben lang an den psychischen Folgen zu tragen, denn in einer liebevollen Umgebung aufzuwachsen schafft das lebensnotwendige Urvertrauen, ohne das eine wirkliche Persönlichkeitsentwicklung nicht möglich ist. Dieses aus Liebe erwachsende Urvertrauen ist die erste Sprosse der Leiter der Evolution des Bewusstseins. Wie soll man die höheren Sprossen zu einer freien, selbstbewussten und individuellen Menschwerdung erklimmen, wenn diese erste Sprosse des Grundvertrauens zu sich selbst, zur Umwelt und zu Gott fehlt?

Tatsächlich leben die meisten Menschen in der heutigen Zeit im Halbdunkel eines Daseins mit ungenügendem Liebelicht und dürsten halbvertrocknet nach diesem Wasser des Lebens. Man sucht sich mittels Statussymbolen Ersatzbefriedigung zu verschaffen. Aber aller Luxus dieser materialistischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts kann nicht wirklich befriedigen. Denn „der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ (Mt. 4,4).

Doch für all die ungeliebten Lieblosen dieser Welt (denn wie soll man liebefähig sein, wenn man selber die Liebe nicht oder nur unzureichend erfahren hat?) gibt es Hoffnung: Für all jene, die andere nicht lieben können, weil sie sich selber nicht lieben können, gibt es doch einen Weg, zu einem erfüllten Leben in Liebe zu finden. Wer ihn sucht, der wird ihn finden. Diese Schrift möchte bei dieser Suche helfen. Und schließlich wird deutlich werden, dass zu Lieben das Einfachste ist, weil es unser eigentliches Wesen, unsere wahre `Natur´ ist, denn die Liebe ist als unser Leben unser wahres Sein.

Was ist „Liebe“?

Hermann Hesse ist überzeugt: „Den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe. Das heißt: Je mehr wir lieben und uns hinzugeben fähig sind, desto sinnvoller wird unser Leben.“

Die allgemeine Begriffsbestimmung unterscheidet die „empfangende“ und die „sich schenkende“ Liebe, wie sie zum Beispiel sichtbar wird im Verhältnis eines Kindes zu den Eltern. Die „Liebebedürftigkeit“ des Kindes und die sich schenkende „Mutterliebe“ bedingen jedoch einander. Denn in Wirklichkeit sind die Grenzen zwischen der sich schenkenden und der bedürftigen Liebe fließend: auch das Kind beschenkt die Mutter natürlich und sie bedarf es für ihr eigenes Selbstwertgefühl, ihre Liebe zu schenken. Jeder ist beides: liebebedürftig und in der Lage, Liebe zu schenken. Schon vorgeburtlich ist der noch ungeborene Mensch „liebebedürftig“ und wird es Zeit seines irdischen Lebens (– und wohl auch weit darüber hinaus –) bleiben. „Bedürftige Liebe schreit aus unserer Armut zu Gott.“ (C.S. Lewis)

Die schenkende Liebe hingegen erfordert eine gewisse Reife, die umso größer sein muss, je weniger sie erwidert wird. Im Gegensatz zur Erfüllung gegenseitiger Liebe ist einseitige Liebe für den ungeliebt Liebenden zunächst zumeist mit Leid verbunden, aber letztlich dient ihm diese Erfahrung zum Heil und schließlich zur vollkommenen Erfüllung seiner Liebessehnsucht. Denn geliebt zu werden ist zweifellos eine erhebende Kraft, aber bedingungslos zu lieben ist mehr: göttlich.

Die größte Reife indes erfordert immer noch die „Feindesliebe“. Ist eine größere Liebe vorstellbar, als die Schuld eines anderen auf sich zu nehmen und für seine Befreiung das eigene Leben zu geben? Aber in dieser Art der Liebe liegt die größte Befreiung für die Welt, denn sie vermag jahrtausendealtes Karma aufzulösen und vermeintliche Schuld in Nichts zu pulverisieren.

Die Fähigkeit zu Lieben

Der konditionierte Verstand stellt wohl die größte Hürde dar, wirklich zur Liebe zu finden, weil er auf seiner Festplatte nicht nur die oft schlechten Vorbilder der partnerschaftlichen Beziehungen der Eltern und des sozialen Umfeldes einer weitgehend lieblosen Gesellschaft – sondern vor allem auch die eigene frühkindlichen Erfahrung des Ungeliebtseins gespeichert hat. Denn das Grundbedürfnis der Seele nach Liebe wird in dieser materialistischen Welt für die Meisten nicht erfüllt. Dies, wie die gesellschaftliche Erziehung zum Konkurrenzdenken, bläht das Ego, dessen Schaltzentrale der Verstand ist, zur Kompensation von Minderwertigkeitskomplexen mit einem unersättlichen Geltungsdrang.

Leiht man nun, anstatt der Stimme des Herzens zu folgen, dem Verstand in Liebesfragen das Ohr, darf man sich nicht wundern, wenn aus der potenziellen Liebe ein berechnendes `Macht- und Kontrolle-Spiel´ wird. Der Verstand hat zur Kenntnis genommen, was Liebe mit dem Menschen macht – für ihn völlig irrational – denn er analysiert und bewertet nach sachlichen Kriterien und weiß soviel wie ein Roboter vom menschlichen Lieben und Fühlen.

Auch und ganz besonders die Schwierigkeit, den Partner nicht annehmen und lieben zu können, weil man sich selber nicht annehmen und lieben kann, hat im Verstand ihren ursächlichen Grund, denn dieser weiß und versteht – als das mentale Organ des Zählens, Wiegens und Messens – rein gar nichts von der Liebe. Denn dafür ist das Herz zuständig.

Desweiteren stellt das kollektive Unterbewusste (oder `Massenbewusstsein´) eine echte Komplikation der Liebefähigkeit dar, weil hier alle zwischengeschlechtlichen Missverständnisse und Vorurteile (die oft genug in der Menschheitsgeschichte begründet waren) gespeichert sind. Zu deren Überwindung ist vor allem Vertrauen in den Partner erforderlich. Sehen wir den Anderen mit den Augen des Herzens, erkennen wir bald, dass Frauen und Männer gar nicht so gegensätzlich und grundverschieden sind, denn es ist dieselbe Sehnsucht nach Liebeerfüllung in uns allen.

Überhaupt ist das Vertrauen eine wesentliche Voraussetzung Lieben zu können. Vertrauen ist – jenseits aller verstandesmäßigen Beweisbarkeit – der Schlüssel zur bedingungslosen Liebe. Ohne Vertrauen ist jeglicher Glauben hinfällig. Ohne Vertrauen wird sich nur schwerlich jemals wirkliche Liebe einstellen, sei es zum Partner, zu Gott oder zu sich selbst.

Das Urvertrauen entwickelt sich laut der Entwicklungspsychologie in den ersten drei Lebensjahren eines Kindes – ebenso wie im negativen Fall das `Urmisstrauen´. Dieses fehlende Grundvertrauen sei im ganzen ferneren Leben nicht mehr zu kompensieren. Im Unterschied zu dieser psychologischen Entwicklungstheorie, erkennt die ganzheitliche Harmonik einen anderen Ansatz: Wir kommen mit einem gesunden Urvertrauen in die Welt – sonst kämen wir nicht in die Welt. Nun mag es sein, dass – meist schon vorgeburtlich – dieses Urvertrauen und unser seelisches Selbst Schaden nimmt, durch die Umstände, in die wir hineingeboren werden. Dann erleidet die persönliche Identität durch Liebemangel scheinbar unwiederbringliche Vertrauensverluste. Doch im Gegensatz zur entwicklungspsychologischen These gibt es sehr wohl auch für jene Menschen, die durch ihre frühkindlichen Erfahrungen ihr Vertrauen verloren haben, einen Weg zur Kompensation, der hier skizziert werden soll.

Von Anbeginn ist uns das Urvertrauen in die Schöpfungswiege unseres Herzens gelegt. Aus ihm entstammen wir und zu ihm werden wir letztlich – trotz allem – zurück finden. Einem Menschen dabei behilflich sein zu dürfen, sein verlorenes Urvertrauen wieder neu zu finden, ist eine der lohnendsten Aufgaben dieser Welt.

In zumindest zwei wesentlichen Lebenssituationen ist ein völliges Vertrauen unabdingbar: Erstens in der Schwangerschaft. Vom Zeugungszeitpunkt bis zur Geburt hat niemand einen äußeren Einfluss auf die gesunde Entwicklung des Kindes. Und das andere Mal im Sterbeprozess, der ebenso unumgehbar ist wie die Geburt. In beiden Fällen bleibt uns nichts, als uns vertrauensvoll in das Schicksal (oder die Hände Gottes) zu begeben. Also steht das Vertrauen am Anfang sowie am Ende eines jeden Lebens. Nicht ohne Grund, denn es ist uns eine Hilfe zur Findung der bedingungslosen Liebe.

Als kleines Kind mussten wir den Eltern vertrauen, dass wir versorgt würden. Viele Kinder werden in diesem Vertrauen enttäuscht. Als Schüler lernten wir, dass nicht jedem Lehrer zu vertrauen ist. Wir wurden `zurecht gebogen´ und hörten auf wir selbst zu sein, um – wenn schon keine Liebe – so doch wenigstens Anerkennung zu bekommen. Die Gesellschaft fragt nicht danach, wie wir sind, sondern sagt uns, wie wir zu sein haben, um von ihr anerkannt zu sein. Auf diese Weise entfremden wir uns uns selbst. Und als Partner stehen wir dann schließlich, weil wir uns selbst nicht mehr vertrauen können, vor den Scherben unserer Beziehung.

Doch ein Blick auf die Natur – der Schöpfung Gottes – zeigt: würde sie nicht vertrauen, würde sie sich nicht erhalten. Trotz aller Eingriffe des `Zauberlehrlings´Mensch, erneuert sie sich doch ständig im Vertrauen auf den göttlichen Plan, dass dieser schließlich ihre Vervollkommnung bewirken wird.

Liebe ist eigentlich kein persönliches Gefühl, sondern eher ein überpersönlicher Zustand. Wir lieben – oder wir lieben nicht. Hier gibt es keine Einschränkung auf bestimmte Personen, denn die bedingungslose Liebe liebt einfach alles: die Natur, das Sein, die Gegenwart, den Partner – uns und mehr und mehr alle Wesen dieser wunderbaren Welt – auch das, was die Gesellschaft womöglich verachtenswert findet.

Lieben wir, werden wir aufhören, uns durch andere Menschen gestört zu fühlen – auch wenn sie sich die größte Mühe geben, weil wir an ihren Agressionen oder Lieblosigkeiten erkennen, woran es den Armen krankt: sie ärgern sich über das Verhalten anderer, das sie in sich selbst verdrängen mussten, um sich anzupassen und Zuneigung zu erhalten. Es ist ihr `Schattenkind´, das sich auf diese Weise bemerkbar macht, und man möchte diesem Menschen einfach nur wünschen, diesen verdrängten Teil seines Selbstes endlich annehmen zu können.

Entweder wir lieben – oder wir lieben nicht. Wer liebt, erkennt in Jedem das Vollkommene – erkennt in Jedem sich selbst. Das macht es aus, die Welt wahrhaft mit den Augen der Liebe zu sehen. Da ist keiner, sei er nach dem Urteil der Gesellschaft auch ein Verbrecher, der nicht – als Teil von uns selber – liebenswert wäre.

Lieben wir, kann uns nichts wirklich schaden, denn im Licht unserer Liebe sind wir vollkommen geschützt. Durch unsere Liebe sind wir dem Schwarz-Weiß-Spiel der irdischen Polaritäten entwachsen und haben im Einklang mit den kosmischen Gesetzen uns Selbst im Eins-mit-Allem-Sein gefunden. Denn die Liebe ist die mächtigste Energie in diesem Universum, dessen höchste Wirklichkeit die göttliche Liebe selber ist.

Es geht also in der irdischen Schule des Lebens beim `Liebenlernen´ um die Evolution des Bewusstseins zu einer höheren Wirklichkeit. Das, was man gemeinhin für `Realität´hält, ist nur die Alltäglichkeit des konditionierten Verstandes. Das jedoch, was es durch das `Liebeleben´ zu erlangen gilt, ist das Erleben geistiger Freiheit in der Ganzheitlichkeit des Seins: Die Einswerdung mit sich selber, allem Anderen, mit dem wir untrennbar verbunden sind, und mit Gott.

Es mag sein, dass wir auf dem Weg dorthin, nachdem wir unseren Kopf gelegentlich über die Wolkendecke in den reinen Äther des blauen Himmels erheben durften, erst noch einige Male wieder in den irdischen Dunst hinab tauchen, ehe sich unser Wunsch soweit gefestigt hat, die Niederungen der zwiegespaltenen Welt für immer verlassen zu wollen.

Haben wir durch die Führung der Liebe endlich die Vervollkommnung unseres Wesens im Eins-mit-Allem-Sein erlangt, ist es kaum vorstellbar, jemals wieder in die Tiefen des dualistischen Denkens der bipolaren Welt hinab zu fallen. Nun sind wir befähigt – den Kopf über den Wolken und die Beine auf der Erde – im Licht eines ganzheitlichen Liebebewusstseins in die irdische Wirklichkeit hinabzusteigen, um unseren Körper und seine irdische Erfahrungswelt zu transzendentieren. Dieses ist der eigentliche Grund unseres Hierseins in der körperlichen Welt: Das Licht der erlangten höheren Bewusstseinsstufen hinabzutragen in jede Zelle unseres Körpers und liebestrahlend auf unser soziales Umfeld zu wirken. Denn nicht erst in fernen jenseitigen Paradiesen – sondern Hier und Jetzt im Körper auf dieser Erde ist der Ort der Transformation. Deshalb sind wir hier. „Die wahre Bewusstseinsveränderung ist die, welche die physischen Bedingungen der Welt verändern wird und aus ihr eine vollkommen neue Schöpfung macht.“ (Mirra Alfassa – „Die Mutter“, 1878-1973)

Diesen Zustand der Gewissheit des „Ich bin“ erlangen wir, indem wir aufhören uns fälschlicherweise mit unserem konditionierten Verstand zu identifizieren. Weil wir uns, um angenommen zu werden, eine Maske überzogen und wurden, wie Eltern, Schule und Gesellschaft uns haben wollten, vergaßen wir unser wahres Selbst. Zur Wieder-Entdeckung jenes wahren Wesens, das wir wirklich sind, immer schon waren und immer sein werden: geliebtes Kind Gottes, finden wir dadurch, dass wir die Verstellungen überwinden. Gerade das, was dieses Wesen in uns verschüttet hat, wird zu unserem ganz persönlichen Befreiungsweg. Dadurch, dass wir die Verdrängungen als unsere „Schattenkinder“ erkennen und annehmend in unser Herz bringen, erlangen wir die Befreiung. Dadurch, dass wir lernen uns bedingungslos anzunehmen, wie die bedingungslose Liebe Gottes uns immer schon angenommen hat und immer annehmen wird, erkennen wir uns und alle anderen in der göttlichen Wirklichkeit des Seins.

Die Heilung von den erfahrenen Lieblosigkeiten einer lieblosen Umwelt beginnt also mit dem Erkennen, des Immer-schon-geliebt-Seins von Gott. Die Liebe ist der Urheber des Vertrauens dem Leben gegenüber und das geistige Erwachen beginnt, wenn der Mensch in seinem Herzen das Urvertrauen an die Göttlichkeit wieder findet.

Wahre Liebe trennt nichts, sondern lässt nur wenn nötig los, was nicht in Resonanz mit ihr ist, weil sie die Freiwilligkeit des Wesens über all ihre Sehnsucht nach Vereinigung hinaus, respektiert. Niemals würde die Liebe in die Freiwilligkeit einer Seele eingreifen, weil die Liebe nur in Freiwilligkeit erwidert werden kann. Wäre dies nicht so, hätten wir keinen freien Willen, sondern wären Automaten. Liebe lässt sich aber nicht erzwingen, befehlen oder verordnen, sondern sie schenkt sich immer nur frei.

Ziel dieser Freiwilligkeit des Menschen ist es, ihn durch die Liebe sich selbst in seiner Göttlichkeit wieder finden zu lassen. Denn nichts existiert in allen Universen, das außerhalb von Gott wäre. Erkennen wir, dass wir in Gott sind – und Gott in uns ist (als das Eine Leben, das in uns allen lebt und als die höchste Liebe selber), beginnen wir uns wahrhaftig zu sehen und mit der Liebe Gottes in Resonanz zu gehen. So erfüllt sich an und in uns das Ziel der Schöpfung: die ewige Potenzierung der Göttlichkeit. Dann liebt die Liebe Gottes durch uns hindurch; die göttliche Wahrheit bewahrheitet sich in uns; und die göttliche Freude ist es, die sich durch uns freut. Das ist die geheimnisvolle Vereinigung der `Unio Mystica´: Der Schöpfer, als der Ursprung allen Seins, verwirklicht sich mit Seiner Schöpfung im Bild der Vereinigung von Mann und Frau.

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Göttlichkeit und Resonanz der wahren Liebe

Die bedingungslose Liebe Gottes belässt jeden in seiner Freiwilligkeit wie er ist und überlässt jedem die Entscheidung selbst, ob er in der subjektiven Wahrnehmung des Verstandes mit seinen Wertungen, Be- und Verurteilungen verbleiben möchte, oder im Herzen das große Ja zur Liebe und zum Leben spricht. Dann aber, wenn nicht mehr der Verstand, sondern das Herz den Weg des Menschen lenkt, wird er unfehlbar von der Kraft der alles erfüllenden Liebe zur Quelle und dem Ursprung seiner Existenz geführt. Jeder, der sich nach dieser Liebe sehnt, wird diese Erfüllung finden, denn sonst hätte er diese Sehnsucht nicht, die wir nur deshalb empfinden, weil sie uns den Weg zum Ziel führt. (Was wäre das für ein zynischer Liebegott, der dem Menschen diese Sehnsucht einpflanzte, ohne deren schließliche Erfüllung zu gewähren?!)

Jeden, der sich nach ihr sehnt, nimmt die Liebe seelen-durchflutend in sich auf, sobald wir sie in uns aufnehmen. Ein wechselseitiger Prozess: wir finden uns in der Liebe und die Liebe findet sich in uns. Dann wird ihr geistiger Liebekraftstrom nicht nur unsere Seele wecken, sondern auch unsere körperliche und weltliche Wirklichkeit verwandeln. Uns wird nicht länger immer wieder der Boden unter den Füßen entgleiten, weil die Konstruktion unserer Verstandespläne und Ziele nie wirklich trägt, sondern fortan wird unser Leben mit der Liebe auf ein Fundament gebaut sein, das Diesseits wie Jenseits ewig trägt.

Sich der wahren Liebe als bewusst wirkende Energie des alles vereinenden Heils bewusst zu werden, verändert das Leben von grundauf. Je mehr wir unsere Konditionierungen überwinden, die dem Urvertrauen noch entgegenstehen sich dieser allumfassenden Kraft wirklich ganz hinzugeben, werden wir ihre Leuchtkraft in unserem Sein erfahren.

Es ist als fiele eine Last von uns (die Schwere der Welt, von der das Ego meint, dass es auf ihm lastet), als würde unsere Wahrnehmung der Welt heller. Und so ist es auch, denn die Liebe öffnet unser Herz (nicht das physische – sondern das seelische Bewusstseins-Zentrum des Herzens-Chakra `Anahata´) und wir werden uns dieser geistigen Liebe-Sonne in der Mitte unseres inneren Wesens bewusst. Die Wahrnehmung dieser Veränderung in unserem Leben wird nicht allein von uns gesehen, sondern auch von unserer Umwelt wahrgenommen. Denn die Sonne unseres Herzens strahlt für alle spür- und sichtbar wärmend aus. Mit dem Aufgehen dieser Sonne in unserem Herzen ist es ein wenig heller geworden in der Welt. Und in umso mehr Menschen der Lebensfunke des Herzens zur Sonne erwacht, umso heller wird es auf dem Planeten Erde werden.

Nicht wir sind es, die durch irgendein magisches oder zeremonielles Tun diese Veränderungen in unserem Leben bewirken, es ist die Liebe selbst. Wir brauchen nicht mehr zu tun, als nur ihr zu vertrauen. Hilfreich ist es, unsere Aufmerksamkeit auf unser Herz zu lenken. Da gibt es zwar die verschiedensten Meditations-Techniken, aber es ist absolut keine Profession in irgendeiner dieser Techniken erforderlich. Einfach mit dem Instrument unserer Aufmerksamkeit unsere Herzensmitte suchen – anstrengungslos. Die Liebe lässt sich gern von jedem finden. Jeder wird einzigartige Entdeckungen in sich selber machen, die sich nicht verallgemeinern lassen, weil jeder einzigartig ist. Die Liebe führt jeden seinen ganz besonderen Weg. Würden wir uns anstrengen oder irgendein Leistungsprogramm erfüllen wollen, um die Liebe zu ergreifen, erreichten wir überhaupt nichts. Auch wenn wir bereits gewisse Erfahrungen (zum Beispiel die Wahrnehmung von Energieströmen und Schwingungen) gehabt hätten, und würden nun gebetsmühlenartig das, was uns erstmals zu diesen Erfahrungen führte, wiederholen, um mit Formeln oder rituellen Handlungen die Liebe herbei zu zitieren, nützte es uns nichts, denn die Liebe ist frei. Sie lässt sich nicht befehlen. Aber sie ist immer da: allgegenwärtig – und es liegt allein an unserer Aufmerksamkeit (die wir im allgemeinen auf alles andere in der Welt eher richten, als auf unser inneres Wesen), die Liebe in uns selber gegenwärtig zu finden.

Resoniert die Seele dann mit den Schwingungen und dem Liebeströmen der göttlichen Liebe, erkennt sie diese energetische Kraft um sich herum und mitten in ihr drinnen. Sie wächst in diesem Erleben in dem Maße, wie sie sich der – die ganze Schöpfung durchflutende – Liebe in sich selbst bewusst wird. So wächst der Geistfunke des Lebens in ihrem Herzen zur Sonne der Seele, die zunehmend in ihrem Leben erstrahlt. Und je mehr sie liebt, umso wahrhaftiger und heller wird ihr Leben.

Die Erweiterung des `Ich´ im `Du´

So findet der Mensch zu seiner Identität und zu seinem wahren `Ich´. Nachdem er sich bisher mit seinem konditionierten Verstand identifizierte, ist er nun er Selbst geworden: keine Person mehr, die sich dafür hält, was ihr an Werten und Normen einprogrammiert wurde, sondern eine Persönlichkeit, die zu individuellem Bewusstsein in der Wirklichkeit erwacht ist. Mit diesem Erwachen bestimmen nicht mehr die Konditionierungen des Verstandes das Leben, sondern Inspiration und Intuition des Herzens weisen den Weg zu ständiger Erweiterung der geistigen Räume in fortwährender Evolution des Bewusstseins.

Auf diese Weise `Ich-Geworden´ verändert sich auch das Verhältnis zum `Du´. Waren die Beziehungen bisher von Interessen und Absichten gelenkt, die zunächst nur den eigenen Vorteil suchten (Was gibst du mir für das, was ich dir gebe?), beginnt man nun den Anderen seines Selbstes wegen und unterschiedslos als Teil des Ganzen zu sehen, mit dem man in Wechselwirkung untrennbar verbunden ist. Die Vereinigungskraft der Liebe bewirkt die Anziehung der Herzen, die nicht mehr nur den eigenen Vorteil, sondern das Gemeinsame suchen. Die energetische Liebestrahlung verbindet die Herzen und lässt sie interagierend resonieren. „Die wichtigste Zeit ist der Augenblick. Der wichtigste Mensch ist der, mit dem wir gerade zu tun haben. Das wichtigste Gefühl ist die Liebe, mit der wir den Menschen begegnen.“ (Meister Eckhart von Hochheim 1260-1327)

Für die Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen bedeutet die veränderte Sicht aus der Perspektive der herzzentrierten Persönlichkeit, dass man von dem Partner nichts verlangt, was man nicht selber zu geben bereit ist, ihn nicht mehr besitzen will. Auch erwartet man von dem Partner nicht mehr die Erfüllung dessen, was einem selbst noch fehlt, denn in der Herzzentriertheit ruhen wir in uns selbst und sind heil, ganz und erfüllt. Nein, wenn sich die Herzen zweier selbst-gewordener Persönlichkeiten verbinden, geschieht etwas größeres, als dass man sich gegenseitig den Spiegel hält. Wenn sich zwei Herzen in wahrer Liebe finden, geschieht eine immense Erweiterung durch eine größere Einswerdung: die beiden Individuen, die jedes für sich ein vollständiger Kosmos ist, vereinigen sich zu einem potenzierten Universum. In dieser Liebe-Verbindung erweitert sich das Bewusstsein beider durch ständige Vertiefung in das gemeinsame größere Herz, das unendlich viel größer als die Summe beider Herzen ist. Hier werden die Gefühle nicht mehr im Auf und Ab einer Verbindung erfahren, die noch den bipolaren Gesetzen der Welt unterliegt, wo man nach kurzen Augenblicken der Empfindung von Einheit immer wieder in die Tiefen des sich getrennt Erlebens hinabsteigt, um in Auseinandersetzung und gegenseitigem Missverstehen erst wieder ein Tal zu durchschreiten, ehe man zurück zum gemeinsamen Standpunkt – gleichsam dem Höhepunkt eines Berges findet (- nur um nach diesem Aufatmen über den Wolken erneut den Kopf unter die Wolkendecke zu ziehen). Nein, hier – in der Einheit zweier Herzen – gibt es keinen Streit mehr (zum Beispiel darüber, wer Recht hat und wer im Unrecht ist). In der Einheit zweier Herzen ist die Zwiegespaltenheit der Welt überwunden. Die Gespräche der Liebenden finden nicht mehr im Wechselspiel der Pole statt, in der jede Position immer eine Gegenposition hat, sondern beide schauen aus der Perspektive der Einheit, die alle Gegensätze der bipolaren Welt zu vereinigen vermag.

Die Herzensverbindung ist gleichsam als `Kernfusion´ zu verstehen, die durch die Verschmelzung zweier Kerne zu Einem die Energie der einzelnen Atome zur Sonnenkraft potenziert. Die Intensität der Gefühle zweier Eins gewordener Herzen erhebt sich über das bloß körperliche und seelische Fühlen himmelweit, denn die wahre Liebe erweckt in den Liebenden, die sich einander die Tore ihrer Herzen öffnen, eine überirdische, ewige Freude.

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Die Potenzierung des `Ich´ im `Wir´

Die überkosmische, bedingungslose, göttliche Liebe ist als das Höchste Selbst der Grund von allem Sein. Nichts existiert ohne Sie. In dem Maße wie sich das göttliche „Ich bin“ durch gelebte Liebe in uns als wahres `Ich´ manifestiert, werden wir alle Fehleinschätzungen überwinden, die aus der konditionierten Wahrnehmung, Beurteilung und Wertung unserer falschen Ichvorstellung entstanden waren. Mehr und mehr werden wir erkennen, dass die Liebe, als Grund der Schöpfung auch jene allgegenwärtige Kraft ist, die auf die vollkommene Entfaltung des göttlichen Bewusstseins in der Materie zielt. Im Licht der Erkenntnis der Wahrheit, Liebe und Freude Gottes in unseren Herzen werden wir deutlich sehen, dass wir alle durch das in uns wohnende göttliche Wesen der Liebe miteinander verbunden sind: Alle in Einem und Einer in Allen.

`In der Liebe Sein´ heißt, die Einheit der Vielfalt zu sehen – sich selber als Teil des Ganzen wahrzunehmen, das mit allen anderen Teilen (von denen jedes einzelne ein vollkommenes Ganzes ist, wie jede Zelle unseres Körpers den Bauplan des ganzen Körpers enthält) untrennbar verbunden ist. `In der Liebe Sein´ heißt, aus dem Sich-von-Gott-getrennt- Erleben herauszuwachsen. `In der Liebe Sein´ heißt, zu einem bewussten göttlichen Wesen erwacht zu sein, das zum Schöpfer seiner eigenen Welt und so zum Mitschöpfer des Alls geworden ist. Dieses Erwachen erfüllt uns mit Sinn und ungeahnter Lebenskraft, denn wir erkennen, dass wir als Individuen die Verantwortung für unser eigenes Leben haben – und als soziale Wesen in Wechselwirkung mit allen anderen Menschen in der Verantwortung für die Welt stehen. Die Konsequenz ist das Verstehen, dass wir, was wir anderen zufügen uns selber antun, was wir anderen Gutes tun, unser eigener Gewinn ist, denn, wenn wir `in der Liebe sind´, sehen wir dass nur ein einziger Mensch diesen Planeten bewohnt.

Mit diesem Erkennen endet der persönliche Egoismus des konditionierten Verstandes. Mit diesem Erkennen endet der nationale Egoismus in der Verwirklichung des Ideals einer geeinten Menschheit. Das Weltwirtschaftssystem einer Konkurrenzgesellschaft wie es jetzt das Leben und die Ressourcen der Erde in Geiselhaft nimmt, wird uns wie ein Relikt aus der Steinzeit vorkommen, wenn wir die wahren Werte eines erleuchteten Bewusstseins erstreben. WIR werden uns in Demut bedingungslos herschenken wollen, weil uns dies überflutend reich beschenkt. WIR werden aus der Dissonanz eines kranken Körpers, dessen Organe sich bekriegen und dessen Zellen wie Krebszellen wuchern, in der bewusst erlebten Gegenwart der bedingungslosen Liebe in völliger „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ auferstehen und im gemeinsamen Schwingen zu einer Einswerdung finden, die sich als göttliche Harmonie im ganzen Universum hörbar macht.

Mit dem Quantensprung der Bewusstseinsentwicklung vom `Ich´ zum `Du´ und der daraus erwachsenden Vereinigung zur vielfältigen Einheit im `Wir´ potenziert sich die Liebe, indem sie Ihre Schöpfung zur Göttlichkeit erhebt. Dies ist die vielleicht tiefste Bedeutung des Wortes „Unio Mystica“:

Gott Selbst – die Liebe – wird unter uns Menschen wohnen.

AKTOR WAHRER MENSCHWERDUNG – UNIVERSELLE HARMONIK

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