„Die moderne Physik seit Heisenberg legt nahe, dass die Vorstellung einer von uns getrennten Realität eine Illusion ist. Wir sind eingewoben in das Ganze der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit zeigt sich als ein Meer von Möglichkeiten, als Potentialität. Dieser Schwebezustand der Welt gerinnt erst durch bewusstes Beobachten zur uns gewohnten Realität.“ (min. 43:25 – 43:53)

Vgl.: „Die Natur des Geistes ist wie ein vollendeter Maler, der malen kann, was immer ihm beliebt.“ Dzogchen-Lehre aus dem Tibetischen Buddhismus

Die obige wissenschaftliche Erkenntnis drückt nichts anderes aus als den Kern des Weltverständnisses des Magiers, Schamanen oder Yogis. Schon Nagarjunas Madhyamaka-Philosophie (bzw. Dialektik) aus dem 300 Jhd. sagt nichts anderes, als dass die Wirklichkeit keine vom Erleber/Betrachter unabhängige Realität hat sowie keine objektiv festlegbaren (d.h. feststehenden) Eigenschaften. So fasst auch die obige Doku die essentiellsten Erkenntnisse Heisenbergs an mehreren Stellen zusammen.

Im ersten Zitat oben heißt es, wir seien untrennbar „eingewoben“ in die Wirk-lichkeit; d.h. WIRKEND EINGEWOBEN. Nichts anderes bedeutet der Begriff Tantra, „(inter)verwoben“: Jene Praxistradition des Tibetischen Buddhismus, die das Weltverständnis Nagarjunas in eine dementsprechende Lebensweise bzw. konkrete Herangehensweise an die Erfahrung der Alltagswirklichkeit überführt hat. „Realität“ –> Für einen wahren tantrischen Yogi gibt es dies schlicht nicht! Er hat die Erkenntnisse Heisenbergs mittels tiefer Introspektion unmittelbar verwirklicht. Er allein ist Herr über seine Wirklichkeit und sie liegt wie nasser Lehm in seiner Hand.

Nichts anderes wiederum ist – im Kern – auch die Lehre Carlos Castanedas und anderer schamanischer Weltzugänge. Der „Zauberer“ oder „Magier“ weiß, dass er sich nicht in der Welt aufhält, sondern dass diese ihm selbst entspringt. Er kann sie beliebig zerrinnen und „gerinnen“ lassen (siehe Eingangszitat oben), he may be IN the world but not OF it. Er durchschaut „die Welt“ als Konstrukt seines Intellekts, seines „inneren Dialogs“, wie es bei Castaneda heißt. Er löst sich von der Starrheit seiner sozialen Konditionierungen und bereist daher ungehindert die Sphären seines Welt(-Innen-)Raums.

Er befreit sich von der Suggestionskraft der Begriffe und existiert inzwischen der Zeilen. Er ist der große Weber, der großer Spinner. Sein Blick formiert die Welt. Raum und Zeit sind Gestaltungen in ihm selbst.

Ein Gedanke zu “Werner Heisenberg und die Frage nach der Wirklichkeit

Ich freue mich auf Deinen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s